Diy Schatzkiste selber machen in Steampunk Optik

Was hat das mit dem Thema des Blogs zu tun? Auf meinem Blog bin ich der Chef. Daher wird hier gemacht, was mein Wankelmut gebietet. Es hat allerdings auch einen Grund.

Aktuell teilen sich meine Filmrepliken den Platz in meiner Schreibtischschublade mit Gehaltsabrechnungen, einem Raspberry Pi und ein paar Euromünzen. Und einer Anleitung für unsere Fritzbox.

Das kann so nicht weitergehen!

Was bietet sich also mehr an als eine adäquate Aufbewahrungsmöglichkeit zu schaffen?

Idee

Was ich wollte, war eine etwas größere Schatulle, die optisch an eine Schatzkiste in Steampunk-Optik erinnern sollte. Was heißt das? Die Steampunk-Ästhetik mit ihrem viktorianischem Stil setzt primär auf Kompositionen aus Holz und Metall. Da ich weder mit besonders viel Geduld noch mit übermäßigem handwerklichen Talent gesegnet bin, sollten sich sowohl Aufwand als auch monetärer Einsatz in Grenzen halten.

Der Ausgangspunkt war eine dieser einfachen Holzboxen, die man bei Amazon oder Ebay für fünf bis zehn Euro erhält.

Holzbox
Holzbox offen

Los geht die wilde Fahrt

Die Box hat eine Größe von 23x23x12 cm, man bekommt also schon etwas hinein. Als erstes wurden sowohl das Schloss als auch die Scharniere entfernt, da diese später durch steampunkigere Varianten ersetzt werden sollten.

Holz richtig schleifen

Holzbox schleifen

Um die Schatzkiste für die Lasur vorzubereiten, musste sie natürlich abgeschliffen werden. De Holzbox war schon recht glatt, also musste nur noch zwei mal nass geschliffen werden:

  • Holz mit einem Wassersprüher oder einem Schwamm anfeuchten – Nur anfeuchten, nicht nass machen!
  • Nachdem das Holz getrocknet ist, haben sich durch das Aufquellen die Holzfasern augestellt. Diese schleifen wir nun mit 240er Sandpapier in Faserrichtung (!) ab. Wenn ihr gegen die Faserrichtung schleift, bekommt ihr Kratzer, die man später sieht.

Wenn ihr diesen Schritt überspringt, bekommt ihr nach dem Lasieren eine sehr raue Oberfläche, was eher ungünstig für das Resultat ist.

Holz lasieren Palisander

Holzbox lasieren Palisander

Das führt uns auch schon zum nächsten Schritt: Der Lasur. So wie das Holz jetzt war, sah es äußerst langweilig aus. Da ich es neben einer Befeuerung der Maserung auch wesentlich dunkler haben wollte, wählte ich eine Palisander-Lasur.

Diese hat ein sehr warmes Braun, das teils schon etwas in Richtung Kupfer geht. Pro-Tipp: Lieber mehrere dünne Schichten auftragen und langsam an die gewünschte Färbung herantasten, als mit einer dicken Schicht alles zunichte zu machen – Ich spreche aus Erfahrung.

Meiner Meinung nach geht es bei dieser Größenordnung am besten mit einem Haushaltsschwamm, aber da hat jeder seine eigene Vorliebe.

Lackieren

Um der Oberfläche ein edleres Finish zu geben, habe ich die Kiste mit Klarlack lackiert. Ich glaube, das war der aufwendigste Teil. Um zum finalen Resultat zu gelangen, waren vier Schichten notwendig. Aber das Ergebnis war es wert.

Ob man das möchte, steht natürlich auf einem anderen Blatt geschrieben. Man hätte die Lackierung auch weglassen oder Leinölfirnis verwenden können – Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Holz lackiert

Wenn Du jetzt sagen möchtest:”Öhh – Das ist doch gar nicht richtig Hochglanz!!!”, möchte ich Dir antworten:”Richtig”. Im Ernst: Um das zu erreichen, müsste man eine Behandlung mit Schellack durchführen. Aber Freunde, bei aller Liebe… Das war es mir dann doch nicht wert. Im Übrigen glänzt die Oberfläche schon sehr stark, aber das nur am Rande 🙂

Wer meint, das wäre notwendig und auch nicht schwer, der darf sich gern auf Youtube von stundenlangen Schellack-Sessions eines Besseren belehren lassen. Nebenbei gefällt mir bei meiner Variante besser, dass man wirklich noch etwas vom Holz fühlen kann. Denkt mal an das Nussholz, das als Verzierung in Autos verbaut wird. Das erinnert oft mehr an Kunststoff als an Holz.

Halbzeit

Schatzkiste Schloss Steampunk

Die Arbeit bisher war zwar ok und so langsam kam das Licht am Ende des Tunnels in Sicht, aber an dieser Stelle wollte ich mich erst mal selbst belohnen und habe testweise das neue Schloss und die Scharniere angebracht.

Danach musste zwar alles noch mal ab, damit ich die Innenseite mit Velours auskleiden konnte, aber zumindest hatte ich erst mal einen Eindruck vom Endergebnis. Den Verschluss und die Scharniere gab es als Set für ca. zehn Euro bei Ebay.

Schatulle Scharniere Rückseite

Es ist unglaublich, was man alles für unglaublich wenig Geld bei Ebay bekommt! Irgendwann werde ich mal einen Artikel allein darüber machen, was ich für meine Projekte bisher auf Ebay gekauft habe.

Im Nachhinein finde ich es allerdings etwas schade, dass ich nicht nach wirklich “antiken” Teilen geschaut habe. Das hätte zwar mehr gekostet, aber es wäre auch irgendwie… authentischer geworden.

Was soll’s? Es sieht definitiv gut aus.

Für die Innenseite hatte ich von Anfang an an blaues Velours gedacht. Diese Farbe ist bei Schatzkisten bzw. Schatullen recht selten und so ein Indigo-Blau sieht einfach edel aus. Klingt aufwendig? Ist es nicht. Zum Glück gibt es nämlich selbstklebende Veloursfolie! Klar – Das ist nicht ganz so schön, aber Kirche im Dorf lassen und so weiter, richtig?

Blaues Velours – Edel incoming!

Die Vorgehensweise ist einfach: Ein Blatt Papier dient als Schablone, mit der ihr dann das Velours ausschneidet.

Schatulle Futter ausmessen
Schatzkiste Deckel Satin

Da ich natürlich nicht perfekt bin, hat es trotz aller Sorgfalt manchmal nicht gepasst. Wenn ein Stück übersteht, ist es kein Problem – einfach abschneiden. Umgekehrt, ist es etwas problematischer, aber auch das lässt sich einigermaßen überpinseln – Im wahrsten Sinne des Wortes.

Schatulle Deckel Velours reparieren
Schatulle Deckel Velours repariert

Größeren Fehlstellen solltet ihr allerdings mit einem weiteren Stück Folie ausbessern.

Aber es ist halt wie es ist – Man ist gestresst, ist müde, der Chef nervt und grundsätzlich hat es halt dieses Mal nicht geklappt: Die Stücke passen nicht perfekt aneinander. Frustriert alles wegschmeißen? Nein, mein Gutester! Denn zum Glück habe ich bei einer anderen Schatulle eine perfekte Lösung gefunden, die das Ganze auch noch mal aufpeppt: Man kleidet die Kanten mit Kordeln aus.

Auch dieser Schritt ist äußerst einfach: Ihr bastelt euch eine Kordel oder kauft sie zu einem lächerlich geringen Preis im Bastelladen eures Vertrauens oder online, fixiert die Enden und klebt sie mit Alleskleber in die Kanten. Wer schon mal eine Silikonfuge gezogen hat, weiß, wie das mit dem Kleber auszusehen hat. Ich empfehle, schnell aushärtenden Kleber zu nutzen, damit euch beim Andrücken kein langer Bart wächst 🙂 Es ist außerdem eminent, die Kordel gut in die Ecken zu drücken, damit dort keine Lücke entsteht.

Auf den linken Bild könnt ihr sehen, was passiert, wenn man mit dem Kleber rumaast 🙁 Egal – Trotzdem sehr edel.

Das große Finale habe ich übrigens just heute, an dem Tag, an dem ich diesen Artikel schreibe, erlebt: Das Anbringen der Beschläge.

Schatulle verzieren

Auch diese Teile gab es zu einem Spottpreis online. Es ist erstaunlich – Vor noch zehn Jahren hätte man sich die Hacken nach so etwas wund gelaufen. Leider ein kleiner Wermutstropfen: Die Eckbeschläge sind sehr dünn, daher standen sie am Ende ein ganz klein wenig ab. Solltet ihr so dicke Finger haben wie ich, dann hilft euch vielleicht das folgende Bild:

Schatztruhe Diy Eckbeschläge

Impressionen der Steampunk Schatzkiste

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Schatulle und meine Repliken fühlen sich offensichtlich sehr wohl darin. Die Kosten lagen alles in allem mit Holzbox, Teilen, Velours, Kordel, Lasur und Lack bei etwa 30 Euro.

Ist euch übrigens der Inhalt aufgefallen? Die meisten der Sachen sind recht bekannt. Da ist das Bernsteinfossil aus Jurassic Park und das Gralstagebuch sowie der heilige Gral aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug.

Wenn Du auch den Fisch kennst, dann ziehe ich imaginär meinen Hut vor Dir. Alle anderen – Dazu komme ich später irgendwann mal.

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